Besuch MdB Kressl 2007

Erstellt 05.05.2007

[Startseite]       [Archiv 2006/2007]      [Fächer]     [Abschluss RS]
   
Die Gelegenheit aktuelle Politik einmal hautnah zu erleben, hatten die zwei 10. Realschulklassen der Franziska-Höll-Schule in Bühlertal. Im Rahmen der Vorbereitung auf eine im Juli stattfindende Fahrt nach Berlin war die SPD-Bundestagsabgeordnete Nicolette Kressl zu Gast, die als erstes von der Schulleitung willkommen geheißen wurde. Fragen wie die Zukunft des föderalistischen Bildungssystems und der Bestand der Hauptschule bewegten beim Gedankenaustausch mit der Abgeordneten sowohl die Schulleitung als auch die Abschlussschüler
 

Zu Beginn des zweistündigen Zusammenseins mit den Klassen erläuterte die Abgeordnete zunächst ihren Berufsalltag. Die Zuhörer erfuhren, dass Bundestagsabgeordnete ein „Doppelleben“ führen: Sie pendeln zwischen Sitzungswochen in Berlin, in denen die parlamentarische Arbeit in der Fraktion, den Ausschüssen und dem Plenum stattfinde, und den Wahlkreiswochen daheim. In dieser, in der Regel sitzungsfreien Zeit, steht die Arbeit im heimischen Wahlkreis im Vordergrund. Dann finden zum Beispiel Termine in Schulen statt, um zu erklären, so Frau Kressl wörtlich, „wie Politik funktioniert“. Wer wie sie auch stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion sei, der müsse darüber hinaus mit Verpflichtungen im ganzen Land rechnen.

 

 

Für die sich anschließende Gesprächsrunde zeigten sich die Schüler gut vorbereitet und die Abgeordnete blieb keine Antwort schuldig, obwohl es quer durch den politischen Gemüsegarten ging. Was denn neu an dem erst kürzlich geschlossenen Ausbildungspakt sei, wollte einer, der demnächst selbst in Ausbildung stehenden Schüler wissen. Die Arbeitgeber seien für dieses Jahr die Verpflichtung eingegangen, 60.000 neue Ausbildungsplätze zu schaffen, erläuterte die Abgeordnete. Bei der Umsetzung seien die Arbeitsagenturen und die IHK beteiligt, die mittlerweile eigene Berufsberater einsetze und eine Art Ausbildungsnetzwerk aufgebaut habe, also aktiv mitwirke, was auch als Erfolg der Vereinbarung gelten könne. Gleichwohl sei es problematisch für Schulabgänger aus dem Hauptschulbereich einen Ausbildungsplatz zu finden. Einige Firmen würden gar keine Hauptschüler mehr berücksichtigen. Die Frage, ob denn die Hauptschule noch zeitgemäß sei oder man nicht auch über neue Schulformen nachdenken müsse, beantwortete die Abgeordnete zunächst mit dem Hinweis, dass der Bereich Bildung zum größten Teil in den Zuständigkeitsbereich der Länder falle. Sie machte aber keinen Hehl aus ihrer Überzeugung, dass der Weg in Richtung längerer gemeinsamer Lernzeiten und integrativer Schulformen gehen müsse, wie dies bereits z. B. in Rheinland-Pfalz mit der „Regionalschule“ praktiziert werde. Auf Nachfrage erklärte Frau Kressl, dass das dreigliedrige Schulsystem leider  eine ideologische Frage geworden sei, und man eben auch akzeptieren müsse, dass die Bürger in Baden-Württemberg mehrheitlich Parteien wählen würden, die dieses System befürworten. Sie sei allerdings zuversichtlich, weil auch in unserem Bundesland Bewegung in diese Debatte gekommen sei.

 

   

Dass gerade junge Menschen auch in Sorge um unser Klima sind, belegten die vielen Beiträge zum Thema Klimaschutz. Mit einem Tempolimit wie in der Schweiz könnte sie gut leben, erklärte Frau Kressl, weil dort der Verkehr eher ruhiger und gleichmäßiger über die Straßen rolle. Außerdem sei die Automobilindustrie gefordert, technisch das umzusetzen, was sie seit Jahren versprechen bzw. was ausländische Hersteller bereits vormachen. Den entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz sehe sie allerdings bei der Wärmedämmung der Häuser. Da könnte sehr viel Energie eingespart werden, was den Geldbeutel der Bürger schone und außerdem Arbeit für Handwerksbetriebe bringe.

 

   

Die Diskussion um das Abgabeverbot von Alkohol an Jugendliche unter 18 bewegte auch die im Schnitt Sechszehnjährigen. „Dass wir darüber diskutieren müssen, geht von den bescheuerten Komasaufereien aus“, redete die Abgeordnete Klartext. „So was gibt es nicht nur in Großstädten, sondern mittlerweile auch in meinem Wahlkreis.“ Auf Zustimmung stieß ihr Aufruf, den Mut zu haben, sich bei solchen Veranstaltungen gegen den Trend zu stemmen: „Wirklich cool ist, auch einmal 'Nein' zu sagen.“ Die Politik könne solche Probleme nicht allein durch Verbote lösen, andererseits dürfe man aber auch nicht tatenlos zusehen.

 

   

Dass auch schon Schüler an die Rente denken, wurde deutlich, als ein Fragesteller wissen wollte, mit welchem Alter wohl seine Generation in Rente gehen dürfe. Frau Kressl erinnerte daran, dass die in dieser Woche verabschiedete Regelung vorsehe, dass erst 1964 Geborene bis 67 arbeiten müssten. Eine Prognose, ob damit das Ende erreicht sei, wollte die Abgeordnete nicht abgeben. Sie riet den zukünftigen Berufsanfängern, ihre Altersversorgung möglichst auf drei Säulen aufzubauen: der gesetzlichen Altersversorgung und dazu eine betriebliche und private Absicherung. Dies sollte man zu Beginn des Berufslebens angehen, denn dann seien die Beiträge niedrig.

   

Zwei Stunden vergingen wie im Flug und so manche Frage, die vielleicht nicht gestellt werden konnte, wird eventuell dann in Berlin vertieft werden können, wenn die beiden Klassen den Bundestag besuchen werden. Zum Abschied bedankten sich die Klassensprecher Lena Braun und Robin Faller bei der Abgeordneten für die Einladung in die Bundeshauptstadt und überreichten Wein und Blumen.
   
[Startseite]       [Archiv 2006/2007]      [Fächer]         [Abschluss RS]